An der wilden Wupper

Heute haben wir einen Wanderbericht für euch, der etwas anders ist als andere. So lange wollte ich schon eine Runde in den wilden Hängen der Wupper drehen, die mir in anderen Berichten regelrecht schmackhaft gemacht wurden. Und dann noch im Herbst – perfekt. Oder? Nun, bei uns lief es dann doch ein wenig anders als gedacht. *zwinker*

Man könnte meinen, das letzte Jahr sei das Jahr der Gassitouren gewesen, die wir lange vor uns her geschoben haben und endlich mal abhaken wollten. Ziele, die lange auf meiner Geplant-Liste standen, aber meist doch einen Tick zu weit weg für eine schnelle, schöne Runde waren und doch wieder zu nah und zu unspektakulär für einen Tagesausflug. Manche davon waren letztlich die Fahrt wert, andere weniger. *hust* Da ich nun trotz unserer eher miesen Erfahrung weiterhin ein wenig zwiegespalten bleibe, was diese eigentlich doch so wunderhübsche Ecke an der Wupper angeht, wollen wir euch die Tour nicht vorenthalten. Und wer weiß, vielleicht hat der ein oder andere dort ja einen deutlich besseren Lauf. *zwinker*

Irgendwo im Bergischen

An diesem unheimlich warmen, sonnig herbstlichen Sonntagmorgen im November machten wir uns auf den Weg gen Solingen, um endlich unsere Runde an der Wupper zu drehen. By the Way schon unser Fehler Nummer Eins an diesem Tag. *räusper* Vorab hatte ich eine kleine, nette Tour in meiner Wanderapp zusammengebastelt, bei der es mal direkt am Wasser, mal durch die wilden Hänge gehen sollte, gefolgt von einer Brückenüberquerung, einem kleinen Sightseeing-Highlight im Wald und dem idyllischen Rückweg, vorzugsweise über Waldwege. Mhm. Sagen wir mal, das war ein guter Plan. *räusper*

Wir kamen also nach einer – für verwöhnte Ruhrpott-Großstädtler – gefühlt elendig langen Gurkerei endlich an unserem Ziel an, einem kleinen Wanderparkplatz am Wipperkotten in Solingen. Schon jetzt in der Frühe waren wir bei Weitem nicht die einzigen und ich hoffte nur insgeheim, dass sich die Menge nach einigen Metern ein wenig entzerren würde. Zwerg und Zweibeiner, samt meiner nagelneuen Wanderschuhe – großer Fehler Nummer Zwei – waren bereit. Wir machten uns also auf den Weg. Vorbei ging es am pittoresken Wipperkotten, sprich Fachwerkhäuschen samt hölzernem Wasserrad, direkt am wirklich wunderhübschen Lauf der Wupper gelegen. Die ersten Meter führten über einen schmaleren Weg, der eigentlich ausgesprochen nett war (wie so vieles an diesem Vormittag *hüstel*) doch durch den regen Verkehr an Wanderern und Sportiven zur Eile statt Weile antrieb. *räusper* Schon dankbar für mehr Platz und Luft, gerade damals, in dem besonders heiklen Prä-Impfzeitalter von Corona, betraten wir asphaltierten Boden, der uns lange – und vor allem länger als geplant – begleiten sollte. Auch hier war für unseren Geschmack schon deutlich zu viel los, doch wir hofften auf eine Entspannung der Lage, sobald wir nach eineinhalb Kilometern auf den Wanderpfad die Hänge hinauf ausweichen würden. Die Hauptstrecke führte uns aber erstmal zwischen der Wupper zur Rechten und mal steinernen, mal bewaldeten Hängen zur Linken entlang. Eigentlich eine sehenswerte Strecke. Nur eben absolut ungeeignet für einen Sonntagsausflug bei strahlendem Wetter, wenn man denn nicht gerne im Pulk unterwegs ist.

Ausflug zur Wupper - Unterwegs am Wipperkotten im Bergischen

Noch blieb aber der Optimismus. Guter Dinge machten wir bald schon unseren anvisierten Pfad aus und verabschiedeten uns erleichtert von dem Trubel auf der Asphaltstrecke… Leider für eine deutlich kürzere Zeit als gedacht. *hust* Schmal, relativ straff ansteigend und unbefestigt schlängelte sich der markierte Wanderweg aufwärts. Auf den ersten Metern machte ich mir noch keine Gedanken. Fehler Nummer Drei an diesem Tag. Es wurde dann doch ruchzuck steiler und steiler, obendrein steiniger und der abfallende Hang zu unserer Rechten immer einschüchterner. Hallo Höhenangst, alter Freund. *räusper* Langsam aber sicher hatten wir mehr das Gefühl, den Weg hoch zu klettern als zu gehen und die Trittsicherheit ließ zunehmend zu Wünschen übrig. Vielleicht zehn Minuten nach Verlassen des Hauptweges brach ich die geplante Offroad-Route frustriert ab. Und nach einer unschönen Kletterpartie samt schwindelerregender Aussicht auf die fröhlich pilgernden Massen zurück nach unten, war meine Laune definitiv weitaus tiefer als Straßenniveau gesunken. *hust*

Uns blieben also nur noch zwei Optionen, eine verkürzte Runde über die erste Brücke über die Wupper zu gehen, und somit sehr weit für sehr wenig gefahren zu sein, oder aber die geplante Route auf der Asphaltstrecke statt durch die Hänge durchzuziehen. Wir entschieden uns letztlich nach einigem hin und her für zweiteres. Na, ihr könnt es euch denken – Fehler Nummer Vier.

Mittlerweile hatte sich die unkluge Kombination von neuen Wanderschuhen bei spätsommerlich anmutendem Novemberwetter als zunehmend problematisch erwiesen. Selbstverständlich hatte ich für so einen lockeren Sonntagsspaziergang *hust* keine Blasenpflaster dabei. Also entschied ich mich auf keinen Fall nachzuschauen, welches Unheil sich da an meinen Fersen anbahnte, denn das hätte nichts besser und manches vielleicht schlimmer gemacht. Zumindest psychologisch betrachtet. *zwinker*

Wir folgten also dem asphaltierten Weg, der mal hoch oben, gleich oberhalb der Wupper verlief, dann wieder auf nahezu gleichem Niveau, dafür so weit entfernt, dass man das Gewässer über Wiesen und durch Buschwerk hinweg aus dem Blick verlor. Gerade zweiteres war nicht wirklich reizvoll, zumal die Natur bald schon zwei winzigen Ortschaft wich und unsere wilde Wupperwanderung temporär eher zu einem urbanen Dorfspaziergang wurde.

Mit Rüde durch Rüden zum Rüdenstein

Trotz weniger Natur, viel zu vielen Menschen und schmerzenden Füßen konnte mich hier wenigstens der, perfekt zu einer Zwergenwanderung passende, Ortsname Rüden ein wenig erheitern. *schmunzel* Unmittelbar hinter dem Örtchen ging es dann nach dreieinhalb Kilometern, die sich nach mindestens sieben anfühlten, für uns endlich über eine Brücke auf die andere Seite der Wupper. Ich erfreute mich kurz an dem netten Blick über den Fluss zu den herbstlich gefärbten Hängen, bevor es endlich zu dem Highlight unserer Tour gehen sollte, dem Grund, warum ich die Route überhaupt so gelegt hatte und warum wir nicht an der ersten Brücke schon kehrt gemacht hatten: Der Rüdenstein.

Wer jetzt an ein super spektakuläres Highlight denkt, den muss ich direkt enttäuschen, denn es handelt sich schlicht und einfach um ein Denkmal im Wald. Allerdings hat dieses, wie so viele Denkmale, eine schöne Geschichte, die es gleich viel interessanter macht. Vor allem für einen Hundenarren. *zwinker*

Der Sage nach soll der Herzog Robert von Berg im Winter des Jahres 1424 einen Hirsch verfolgt haben und dabei eine Felswand nahe der Wupper herabgestürzt sein. Halb erfroren soll er nur zufällig durch den aufmerksamen und beharrlichen Rüden einer vorbeiziehenden Gruppe Jäger und Ritter gefunden worden sein. Als Dank soll jener Herzog dann dem Hund ein Denkmal gesetzt haben, das im 17. Jahrhundert durch einen Sturm zerstört und 1927 durch ein neues Denkmal ersetzt worden sein soll. Eine nette Geschichte, die ich euch nicht vorenthalten wollte. Auch wenn wir jenes Denkmal nie zu sehen bekamen. *hust*

An der wilden Wupper - Herbstwanderung mit Hund

Ja, ganz recht. Gleich nach der Brücke waren wir dezent gestresst damit beschäftigt, dem zunehmenden Strom an Mountainbikes auszuweichen, ohne dabei zu sehr in die Fußgängermassen hineinzugeraten. Erst etwa einen halben Kilometern später bemerkten wir, dass wir wohl die Abzweigung in den Wald am Hang zum Rüdenstein verpasst hatten. Schade Schokolade. Vielleicht nicht Fehler, doch definitiv Fail Nummer Fünf. Wenn wir uns aber in einer Sache einig waren, dann darin, dass wir auf keinen Fall zurückgehen wollten. Angesichts der Tatsache, dass diese Seite der Wupper mindestens genauso gut gefüllt war, wenn nicht gar durch die Räder wesentlich anstrengender, und uns die voranschreitende Uhrzeit keinesfalls zum Vorteil reichte, wollten wir einfach nur den Weg zurück in Angriff nehmen.

Das Beste kommt zum Schluss. Nicht.

Über diesen Teil des Weges kann ich euch ehrlich gesagt nicht mehr allzu viel berichten, weil meine Erinnerung daran nicht sehr ausgeprägt ist. Ich vermute, dass das weniger an meinem Gedächtnis liegt als an der Tatsache, dass ich, für mich absolut untypisch, wirklich nicht viel von meinem Umfeld wahrgenommen habe. *räusper* Ich war mehr oder weniger die ganze Zeit damit beschäftigt den vielen anderen Personen zu Rad oder per Pedes auszuweichen und somit auch dem Zwerg eine ziemlich konzentrierte Slalompartie abzuverlangen. All das bei langsam unangenehm warmen Temperaturen für die Jahreszeit, Wundschmerz gefüllter Schuhe und wachsender Wandermüdigkeit. Theoretisch hätte dieser Streckenabschnitt aber eine nette Mischung aus breitem Wald- und Feldweg sein müssen. Beschwören kann ich es nicht.

Der gemeinste Punkt war erreicht, als wir nach vielleicht 6 km den Parkplatz samt Pinschermobil auf der anderen Flussseite quasi sehen konnten, wir aber an dem ersehnten Ziel vorbeiziehen mussten. Zum Greifen nah und doch so fern. *seufz* Die Brücke lag ein Stück weiter. Ein ganzes Stück weiter. Wie sich herausstellte befand sich die in der Karte verzeichnete Brücke nämlich in Bau und so mussten wir die sieben Kilometer noch voll machen, bevor wir endlich auf die andere Seite der Wupper wechseln konnten. Der Andrang, der zu diesem Zeitpunkt an jenem idyllischen Fleckchen Erde herrschte, ist kaum in Worte zu fassen. Sämtliche Sträßchen und Wege waren mit Schlangen parkender Autos gefüllt und die wenigen Wege waren so unsagbar voll. Der Baldeneysee an einem Sommertag ist nichts dagegen.

Der letzte Kilometer zurück zum Pinschermobil setzte allem vorangegangenen noch einmal die Krone auf. Wir liefen zwischen nicht wenig befahrener Straße und Baustelle, verzweifelt den viel zu eng laufenden Menschen entfliehen wollend. Ein, zwei Mal war ich kurz davor Buddy auf den Arm zu nehmen, damit er nicht noch einem rollenden Autoreifen oder trampelnden Fuß zu nahe käme.

An der wilden Wupper - Buddy & Me unterwegs

Nach knapp acht Kilometern hatten wir es endlich, endlich geschafft. Nicht, dass nun der Stress geendet hätte. Nö. Während ich Buddy am Auto was zu Trinken gab und mich endlich unnötiger Kleidungsschichten entledigte, standen schon ganze zwei Autos und ein Herr als Platzhalter offensiv drängend Schlange, um unseren Parkplatz zu ergattern. Hätte ich noch ein Fitzelchen Energie übrig gehabt, dann wäre mir wohl spätestens an diesem Punkt der Kragen geplatzt. *hust* Stattdessen sahen wir zu, dass wir endlich dort weg kamen. Was angesichts des an die Zufahrtswege nach einem Stadionkonzert erinnerenden Verkehrschaos noch einmal eine Menge abverlangte. Diesmal vor allem vom Herzmann am Steuer, während ich vorsichtig die Schichten Schuh, Socke und Fuß sortierte, voneinander trennte und ihnen im Fußraum verstaut ein luftiges Päuschen gönnte. *räusper*

Die Summe der Fehlentscheidungen

Tja. Was bleibt da noch zu sagen. Gut zwei Stunden im Pinschermobil gehockt. Zwei Stunden auf einer Gassitour verbracht, die sich anfühlten wie acht Stunden. Mindestens. Viele kleine und doch so falsche Entscheidungen getroffen. Wir sind weder durch die wilden Wupperhänge gewandert, noch haben wir den Rüdenstein gesehen. Ja, es war weder für Zwerg noch für uns Zweibeiner eine schöne Runde. Um nicht zu sagen, es war ziemlich grauenhaft. Ohne Übertreibung.

Wie eine so schöne, urige Ecke irgendwo im Nirgendwo zu unserer liebsten Jahreszeit, Schauplatz einer so furchtbaren Tour werden konnte, das ist für mich immer noch schwer zu verstehen und nur durch die Verkettung unglaublich ungünstiger Umstände zu erklären. Selbst jetzt, nach einem Jahr, fällt es mir noch schwer darüber zu lachen. Und ich kann eigentlich wunderbar über mich selbst samt abgehakter Pleiten, Pech und Pannen lachen. Das mag also schon was heißen. *zwinker*

Wer übrigens Fotos vom Zwerg vermisst, dem kann ich nur sagen, ja, es war tatsächlich unser erster Ausflug, bei dem nicht ein Foto mit Buddy zustande gekommen ist. Es gab einfach keine ruhigen Momente. Keine. Um aber nicht alles zu verteufeln bleibt nur der Hinweis zum Schluss, dass andere in dieser Ecke des Bergischen deutlich schönere Touren erlebt haben (sollen *grins*). Und ja, auch wir haben schon schöne Ausflüge wie zum Schloss Burg unternommen. Falls eine solche Tour also noch auf eurer Geplant-Liste ruht, macht euch vielleicht lieber ein eigenes Bild. Nur eventuell nicht unbedingt an einem sonnigen Sonntag. *zwinker*

Teile unseren Beitrag ♥

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.