Strandspaziergang.

Ein einfaches Wort für eine recht einfache Beschäftigung. Und doch sind Strandspaziergänge für mich persönlich und für uns als Team immer so viel mehr als nur Gassi am Meer. Was sich für uns alles in der Runde durch Sand und Brandung vereint, das wollen wir euch heute zeigen – bei einem Spaziergang am Strand.

6.15 Uhr an einem Morgen im September. Draußen vor dem Fenster lässt sich gerade das allererste Licht des Tages erahnen. Während der Zwerg noch unter der Decke schnarcht, schleiche ich mich ins Badezimmer, mache mich leise und zügig fertig. Zurück im Schlafzimmer ist nun auch Buddy bei seinem Morgenstretching angekommen und die letzte Müdigkeit wird lautstark schlackernd abgeschüttelt, während ich den Rucksack mit Kamera und Spiely bestücke. In der Küche wird schnell noch ein Tee für unterwegs zubereitet, anschließend der obligatorische Blick auf die Temperatur geworfen, bevor es für den Zwerg und mich ins Gassioutfit und raus aus der farbenprächtigen Darßer Tür geht.

Das Licht hat nun schon einiges an Helligkeit gewonnen und mit etwas Glück färbt sich der Himmel gerade von einem sanften Rosa zu strahlendem Pink. Zügig zieht es uns raus aus der Anlage, einige Meter am Deich entlang bis zum nächsten Übergang. Noch ein wenig verschlafen schnüffelt Buddy hier und da an den taubedeckten Grashalmen nach den Markierungen des Vortages. Das Pink wird zunehmend wärmer, goldener.

Zingst 2021 - Farbenpracht am Strand, Sonnenaufgang in Zingst voll rosa, pink,orange und gold, Pinscher Buddy als Silhouette

Wir überqueren den Deich und sehen schon von der Krone aus die tiefblaue Ostsee am Horizont. Nur ein erster schmaler Streifen, eingerahmt von Dünengras. Das Rauschen der Wellen wird mit jedem Schritt lauter. Bald schon wird aus Asphalt Sand. Die Schuhe werden an den Rucksack gehängt, die Kamera ausgepackt und umgehängt, der Zwerg von der Leine gelöst. Das sanfte Gold ballt sich zu einer tieforangenen Kugel über den Dünen gen Osten. Der gesamte Himmel drumherum wird in ein Farbenmeer getaucht.

Buddy flitzt am menschenleeren Strand herum. Mal links, mal rechts, und doch stetig Richtung Wasserlinie. Ich fange die ersten Fotos des Tages ein. Die Sonne steigt so zügig höher und höher, dass sich das Motiv, das Farbspektrum und die Stimmung sekündlich ändern. Noch ein, zwei Momente mehr werden festgehalten. Dann darf die Kamera eine Pause einlegen. Zeit den Blick ohne Linse von rechts nach links, über die Ostsee hinweg, schwenken zu lassen und ein Panorama von östlichem kräftigem Orange und Gold, über nördliches Pink und Rosa hin zu dem noch verschlafenen dunkleren Blau im Westen tief in der Erinnerung zu speichern. Kräftige, langsame Atemzüge lassen die frische, nach Meer und Algen duftende Luft Körper und Geist durchfluten.

Ein Moment voll Glück. Ein Moment voll innerer Ruhe und Zufriedenheit.

Zingst 2021 - Team Buddy & Me, Buddy und Melody gemeinsam unterwegs am Zingster Strand

Wir laufen bis zur Brandungszone, wo der Strand schön fest und angenehm zum Gehen ist. Ich fühle den körnigen, nassen, nachgebenden Sand, die feuchten, starren Buhnen und das klare, weiche Wasser an meinen Füßen. Von dort aus geht es immer weiter ostwärts, der aufgehenden Sonne entgegen. Einige Minuten lang wird der gesamte Strand von goldenem Licht überflutet, bevor sich die ersten kleinen Wolken in den Weg schieben und die Helligkeit ein wenig dämpfen. Ich laufe immer an der Wasserkante entlang, mal mit den Füßen durch die, zu dieser Uhrzeit wohlig warme, Ostsee, mal auf dem nassen, festen Sand. Der Zwerg nutzt immer wieder die gesamte Breite des Strandes, folgt spannenden Spuren, stets der Nase nach, bis zum Rand der Dünen. Dann läuft er wieder lange Abschnitte einfach neben mir her, zu meiner Rechten, auf der Landseite. Manchmal sammle ich eine Muschel oder einen Stein, manchmal lichte ich Buhnen, Möwen oder natürlich mein Lieblingsmotiv ab, und meistens lasse ich einfach nur meine Gedanken schweifen. Lasse sie ganz ohne Wertung, an mir vorbei und durch mich hindurch ziehen. Die Wolkendecke verdichtet sich zunehmend, das Licht wird immer kühler, grauer. Die bunten Farben verblassen.

Ich finde meinen Rhythmus, Schritt für Schritt, ein angenehm stetiges Tempo, ein wenig wie ein Uhrwerk. Die Bewegung tut unbeschreiblich gut, strömt als gewonnene statt verbrauchte Energie durch meinen Körper. Sie fühlt sich leicht und selbstverständlich an. Belebt mich mit jedem Meter den wir hinter uns zurück lassen und zaubert mir immer wieder ein kurzes Lächeln ins Gesicht. Auch Buddy verfällt zunehmend in einen gleichbleibenden, entspannten Lauf, verlässt immer seltener meine Seite um herumzustreifen.

Zingst 2021 - Ostseebrandung, Pinscher Buddy zwischen Dünengras vor der Ostsee, Pfotenabdrücke im Sand, Buddy und Zweibeiner Melody stehen gemeinsam am Strand

Schon lange haben wir die Nationalparkgrenze hinter uns gelassen und der Strand verändert sich sichtbar. Immer mehr dunkle Steine liegen in der Brandungszone und einige von ihnen werden mit jeder Welle klackernd herumgespült. Je mehr grobe Steine den feinen Sand bedecken, desto langsamer wird unser Tempo. Die Schritte werden ungleichmäßiger, mal laufe ich vorsichtig über die harten, bei unbedachten Bewegungen schmerzhaft drückenden, Steine, mal laufe ich in immer weiter werdenden Bögen drumherum. Bei diesen Ausweichmanöwern tausche ich den festen Sand gegen lockeren, unebenen. Das Gehen wird anstrengender. Ich muss mich immer mehr auf den Untergrund konzentrieren, die Beschaffenheit und die Hindernisse scannen und Meter für Meter einen Pfad finden. Die Gedanken haben keine Chance sich im Kopf festzusetzen, einen zum Grübeln zu bringen. Sie beschränken sich auf das, was vor meinen Füßen liegt. Buddy läuft währenddessen nicht viel weniger leichtfüßig als zuvor, meist ein, zwei Meter entfernt von mir, im weicheren Sand.

Der Wind frischt deutlich auf. Am Horizont vor uns taucht in der Ferne ein massiver Holzzaun auf.

Zingst 2021 - Steine am Strand in Zingst, Nationalparkschild am Strand, Zaun vor der Sperrzone des Nationalparks, Pinscher Buddy am letzten Strandübergang

Nun übernimmt der Ehrgeiz, der gerne noch die letzten Meter bis zum Ende gehen will, bevor es wieder zurück geht. Mittlerweile ist das Barfußgehen wirklich kniffelig, die Beine werden müder und ich hadere mit mir, ob wir uns die letzten Meter nicht schenken sollten. Der Strand wird hier etwas schmaler. Buddy läuft nicht allzu weit entfernt von mir und doch am Rand der Dünen. An manchen Morgen drehen wir um. An anderen gehen wir die letzten Meter bis zum Zaun. Dort angekommen halte ich kurz inne, werfe einen Blick in die Sperrzone, die deutlich wilder und so verlockend ausschaut. Hin und wieder fange ich einige Momente mit der Kamera ein. Immerzu erscheint dieser Punkt etwas rauer, wilder und wellenreicher als der restliche Strand. Ein interessanter Effekt. Zeit für meinen Tee.

Dann wenden wir uns gen Westen. Auch hier ist nun soweit das Auge reicht die gleichmäßig graue Wolkendecke angekommen.

Auf dem Rückweg erscheint der steinige Abschnitt um einiges länger als auf dem Hinweg. Linker Hand, im Süden, ballen sich dunkle Wolken, die stark nach Regen ausschauen. Ich konzentriere mich auf den Untergrund statt auf die Wolken, habe dennoch immer öfter mal mit den mittlerweile doch etwas ausgekühlten Füßen eine unangenehme Begegnung mit einem schmerzhaften Stein. Innerlich fluche ich ein wenig, den angenehmen Spaziergang mit dem steinigen Weg torpediert zu haben, der mich doch arg anstrengt, meine anfänglich gewonnene Energie auffrisst und sich meine Aufmerksamkeit für Buddy einverleibt. Ganz kurz fluche ich. Dann werden die Steine zunehmend weniger, die Schritte werden wieder gleichmäßiger, das Tempo wieder zügiger. Der Zwerg hüpft freudig neben mir her, als wäre er zuvor im Sparmodus gelaufen. Und vermutlich stimmt das sogar. Mein kurzer Ärger verfliegt schneller als er gekommen ist und hinterlässt eine regelrechte kleine, feine Hochstimmung. Diese typische Hochstimmung, ein Hindernis hinter sich gelassen zu haben. Die dunklen Wolken sind währenddessen still und leise an uns vorbei gezogen und es bleibt nur gleichmäßiges Hellgrau in allen Richtungen.

Zingst 2021 - Mensch-Hund-Team, Buddy & Me, Pinscher Buddy und Zweibein Melody beim Strandspaziergang

Weiter entfernt sehen wir nun andere Menschen und Hunde am Strand. Über eine Begegnung müssen wir uns aber noch keine Gedanken machen. Noch weiter geblickt lässt sich die Seebrücke samt Tauchgondel erahnen. Dahinter dann die dunkelgrüne Linie des Darßwaldes, die einen Schlenker nordwärts bis zum Darßer Ort vollführt. Ich sehe den Leuchtturm blinken.

Buddy hat nun nur noch eines im Kopf. Sein Spiely. Kurz bevor es für uns wieder über den Deich geht, hole ich das begehrte Tauwerk aus meinem Rucksack und werfe entlang der Wasserlinie, so dass das Spiely auf dem nassen Sand landet. Der Zwerg ist in seinem Element und flitzt vor Glück und Freude strahlend durch den Sand. Bei der ein oder anderen Bremsung vor dem Spiely spritzt der nasse Sand locker einen Meter hoch. Bei jedem Apport ist Buddy mit mehr Sandkörnern auf Nase und Gesicht dekoriert. Die obligatorische Strandschnute. Ein paar Fotos fange ich noch ein, dann stecke ich die Kamera in den Rucksack. Genug Ablenkung, jetzt habe ich nur noch Augen für den Zwerg und unser Spiel. Das Highlight jeder Strandrunde.

Zingst 2021 - Pinscher Buddy beim Spiely Spiel am Strand

Die Worte, die ich in den ein, eineinhalb Stunden vor unserem Spiel an den Zwerg gerichtet habe, lassen sich locker an zwei Händen abzählen. Und doch haben wir so viel Zeit gemeinsam verbracht. Wir haben unendlich viele Blicke, den ein oder anderen Keks und so einige Kuschel getauscht. Und wir waren einfach gemeinsam unterwegs. Ganz ohne große Ablenkungen, Gefahrenmomente oder Risiken. Nur wir Zwei, der Strand, die Wellen und ein paar Möwen. Dafür braucht es nicht viele Worte.

Nach unserem Spiel landet das Spiely sicher in der Seitentasche des Rucksacks. Buddy ist jetzt mehr als bereit nach Hause zu gehen und auch ich habe genug. Nicht, dass ich mich je an diesem Plätzchen sattsehen könnte. Aber meine Füße sind eisig, meine Beine müde und ja, auch mein Kopf ist erschöpft. Nichtsdestotrotz fühle ich mich großartig. Mein Geist ist ausgelüftet und die Gedanken sind geklärt. Mein Körper hat eine weitere wunderbare Leistung vollbracht und läuft trotz der Anstrengung noch wie ein Uhrwerk. Schritt für Schritt. In diesem Moment, als wir uns zum Strandübergang wenden, fühle ich mich so wohlig, leicht und in mir selbst ruhend. Bei einem letzten schweifenden Blick zurück über den Strand und die Ostsee höre ich tief in mir drin meine innere Stimme sagen, dass alles gut ist. Und alles gut sein wird.

Keine Zauberei und doch magisch, lässt die Wolkendecke gen Osten, an zwei, drei Stellen sanft das warme Sonnenlicht durch.

Zingst 2021 - Sonnenstrahlen brechen durch die Wolkendecke über dem Meer, Pinscher Buddy sitzt am Strand, Möwen fliegen am Himmel über der rauen Ostsee, eine Möwe am Strand vor Buhnen und Wellen

Wir verlassen den Strand für heute und machen uns auf den Weg zurück ins Reetdachhaus. 8.30 Uhr. Bereit für den Start in einen weiteren Urlaubstag.

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