Wundersame Wendungen

Einige Male haben wir schon berichtet, dass Buddy und ich in den letzten Jahren Entwicklungen durchlaufen haben, mit denen ich schon gar nicht mehr gerechnet hatte. Sei es die Leinenführigkeit oder aber auch das Teamwork unterwegs, es gibt so einige Themen, die ich insgeheim schon abgehakt und akzeptiert hatte *hust* Man könnte also meinen, ich müsste mich an positive Überraschungen gewöhnt haben – und doch passiert gerade wieder etwas wahrlich Wundersames.

Oft hört man von anderen, erfahrenen Hundehaltern, dass jeder Hund einzigartig und individuell ist, jeder sein eigenes Tempo hat und dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchen… die üblichen standardisierten Sätze zur Aufmunterung eben. Natürlich sind die Aussagen absolut richtig, aber wenn bestimmte Probleme über Jahre und Jahre unverändert bestehen und man irgendwann, nach zahlreichen Versuchen, gar nicht mehr aktiv an einer Lösung arbeitet, dann rechnet man auch gewiss nicht mehr mit der großen, magischen Veränderung.

Ein ungeahnter Dominoeffekt

Nun, wie schon eingangs erwähnt, hat Buddy mich eines besseren belehrt *zwinker* Viele Dinge, die bei uns von Anfang an unrund liefen, haben sich am Ende ganz ohne problemspezifisches Training mit der Zeit quasi *puff* in Luft aufgelöst. Wenn man diese Punkte im Nachhinein beleuchtet, dann fallen einem selbstverständlich Entwicklungsstränge und Ereignisse auf, die im Endeffekt zu diesem überraschend positiven Wandel beigetragen haben. In unserem Fall war es meist ein dichtes Geflecht aus traumatischen Erlebnissen oder plötzlichen Veränderungen, die durch notwendig gewordene Anpassung unsererseits neue, unvorhergesehene Entwicklungen angestoßen haben. Daher glaube ich, dass so manche Problemlösungen von bestimmten Ausgangssituationen blockiert werden, die man gar nicht bewusst wahrnimmt. So kann man trainieren und üben bis zum Umfallen, ohne jemals das gewünschte Ziel zu erreichen. Wenn sich diese Ausgangssituation dann aber verändert, ja, dann wird eine ungeahnte Kettenreaktion ausgelöst. (Anm.: Das ist natürlich nur meine persönliche, erfahrungsbasierte Meinung und kein Wissen vom ausgebildeten Fachmann)

Das vorletzte Problem

Lange Rede – der Zwerg bringt mich in letzter Zeit also wieder zum Staunen. Und zwar so richtig *zwinker* Der letzte, große Problemkomplex, der, neben dem Nicht-Alleinbleiben, noch immer unseren Alltag erschwert, ist Buddys Verhalten gegenüber Fremden, insbesondere in direkter Nachbarschaft. Wir haben das nie von einem Profi analysieren lassen, aber ich denke, dass es sich um eine Mischung aus Unsicherheit und Misstrauen, Territorialverhalten und dem Beschützerinstinkt handelt. Menschen in und um unser Wohnhaus werden also grundsätzlich sehr angespannt verbellt, je nach Tagesform kommt es zu einem regelrechten Hineinsteigern samt in die Leine springen, aufgestelltem Nackenhaar, Zittern, Schnaufen und sichtbarem Weiß in den Augen. Ich für meinen Teil habe an dieser Stelle ausgedient und kaum Einflussmöglichkeit, kann den Zwerg lediglich sichern, bis der Wahnsinn vorüber ist. Übrigens gilt dieses Verhalten auch unseren direkten Nachbarn, die er seit Jahren kennt, was, wie ihr euch denken könnt, unglaublich unangenehm ist.
Entfernt man sich vielleicht zwanzig Meter vom Haus, nimmt dieses Benehmen rapide ab, es werden meist nur noch Postboten sowie einzelne Radfahrer und Passanten mehr oder weniger halbherzig angeblafft. Außerhalb unserer Nachbarschaft muss sich mir eine Person schon sehr direkt nähern, mich ansprechen oder besonders zwielichtig wirken, damit der Zwerg zum Berserker wird *hust*

Baustellenarbeit beim Mensch-Hund-Team - Pinscher Buddy steht neben einer gelben Baggerschaufel und streckt die Zunge ein bisschen raus

Ja, ich habe im Präsens geschrieben, dabei könnte man zumindest vieles davon schon in der Vergangenheitsform formulieren *zwinker* Ich kann gar nicht genau sagen, wann sich diese Verhaltensänderung eingeschlichen hat, auch wenn ich einen Verdacht habe. Ich weiß nur, dass mir nach und nach auffiel, dass Buddy immer öfter empfänglich für meinen Einfluss war, wenn sich eine der oben genannten Situationen anbahnte. Mittlerweile können wir tatsächlich morgens, unter der Woche (!), unsere Runde durchs Viertel drehen, ohne am Ende gestresst und genervt hoch zehn zuhause anzukommen *yay*

Wie schaut das also konkret aus? Oftmals muss ich gar nichts tun. Eine Person oder ein Rad nähern sich und Buddy schaut mich von allein an, bekommt sein positives Feedback und wir gehen weiter. Oder aber er ignoriert die Reizsituation ganz. Dann gibt es Momente, in denen er zwar den Kamm aufstellt, sich versteift und eine Grummelschnute macht, sich aber von mir ansprechen lässt, danach sichtbar entspannt und ohne Gekläffe weiter geht. Ich kann euch sagen, das erscheint mir nach sieben Jahren Terrorzwergentum wie reine Hexerei *lach* Aber nein, Spaß beiseite, es ist weder Zauberei noch ein Wunder, wenn auch ein wenig unglaublich. Buddys Alarmglocken schrillen nach wie vor, gerade bei Begegnungen im Haus und an der Haustür ist er häufig noch ganz der Alte *hüstel* Ebenso, wenn wir abends vor dem Schlafen kurz noch ein letztes Mal runter gehen. Aber zum ersten Mal in all den gemeinsamen Jahren habe ich das Gefühl, einen Zugriff und Einfluss in diesen Situationen zu haben – ein Mitspracherecht sozusagen. Und das ist für mich schon Gold wert. Barrenweise. Auf Paletten gestapelt.

Warum? – Darum!

Was ich wirklich interessant finde, ist die Tatsache, dass diese Veränderung mit einer Phase einher ging, in der ich eher geschwächt und angeschlagen war. Logisch betrachtet würde man doch meinen, dass sowohl hündischer Beschützerinstinkt als auch Unsicherheit dadurch noch stärker gefördert würden. Aber vielleicht zeigt mir genau diese Diskrepanz auf der einen Seite, dass ich die Problematik eigentlich nie ganz durchschaut habe. Sowie auf der anderen Seite, dass wir Zweibeiner auf unsere Hunde möglicherweise manchmal ganz anders wirken, als wir uns selbst sehen.

Team Buddy & Me - Pinscher Buddy und Frauchen auf einem Feldweg in der Abenddämmerung, Buddy bekommt einen Kuschel und einen Keks

Wie auch immer. Letztlich bin ich einfach nur dankbar, all diese überraschenden Veränderungen erleben zu dürfen, die unseren Alltag so viel leichter, entspannter und zufriedener machen. Und bei all der Liebe zum Analysieren bin ich mittlerweile gerne bereit dazu, diese kleinen, wundersamen Wendungen ganz ohne großes Hinterfragen anzunehmen *zwinker*

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